Was darf ins Abwasser – und was nicht?

In der Schweiz gilt sauberes Wasser als Selbstverständlichkeit. Klare Seen und rauschende Flüsse prägen das Bild des Landes ebenso wie hochwertiges Trinkwasser direkt aus der Leitung. Was viele Menschen jedoch unterschätzen: Der Schutz dieser wichtigen Wasserressourcen beginnt nicht erst in Abwasserreinigungsanlagen oder bei Umweltbehörden, sondern direkt im eigenen Haushalt.

Viele Menschen gehen davon aus, dass alles, was im Lavabo, WC oder Küchenabfluss verschwindet, anschliessend einfach «ausgefiltert» wird. Zwar erbringen die Schweizer Abwasserreinigungsanlagen täglich Höchstleistungen, doch Medikamentenrückstände, Chemikalien und andere Fremdstoffe bringen die Systeme zunehmend an ihre Grenzen. Was falsch entsorgt wird, kann potenziell Rohrverstopfungen oder Schäden in der Kanalisation verursachen und auch natürliche Gewässer belasten.

In diesem Ratgeber erfahren Sie:

  • welche Stoffe nicht über das Abwasser entsorgt werden dürfen,
  • wie falsche Entsorgung hohe Kosten verursachen kann,
  • und welche Auswirkungen Fremdkörper im Abwasser auf den Wasserkreislauf haben können.

Zusätzlich geben reale und teilweise skurrile Beispiele aus der Praxis der Kanalreinigung einen Einblick in die oft unterschätzte Realität unter unseren Strassen.

 

Was darf grundsätzlich ins Abwasser?

Die Grundregel ist einfach: Ins WC und in den Abfluss gehören ausschliesslich Stoffe, die dafür vorgesehen sind. Dazu zählen:

  • menschliche Ausscheidungen
  • Toilettenpapier
  • Dusch-, Wasch-, Koch- und Spülwasser

Alles andere sollte kritisch hinterfragt werden; denn selbst Produkte, die als «biologisch abbaubar» beworben werden, verursachen in der Praxis trotzdem erhebliche Probleme.

Was darf nicht in den Abfluss?

Manche Menschen betrachten das WC oder den Küchenabfluss als eine Art universelles Entsorgungssystem. Sobald etwas heruntergespült ist, verschwindet es aus dem Blickfeld und das Problem scheint gelöst. Tatsächlich ist dieser Moment nur der erste Schritt in einem technisch aufwendigen Prozess: Das Abwasser gelangt über Hausleitungen in die öffentliche Kanalisation, von dort weiter zu Abwasserreinigungsanlagen und wird wieder Teil des Wasserkreislaufs.

Abwasserreinigungsanlagen sind darauf ausgelegt, das Abwasser von organischen Rückständen und Verschmutzungen zu befreien. Schwieriger wird es jedoch bei Fremdstoffen, die sich nicht zersetzen oder sogar chemische Prozesse beeinträchtigen können. Viele Stoffe lösen sich im Wasser nicht vollständig auf. Stattdessen lagern sie sich in Rohren ab, verbinden sich mit anderen Rückständen oder gelangen trotz Reinigung in natürliche Gewässer. Selbst moderne Abwasserreinigungsanlagen können nicht jede Substanz vollständig herausfiltern. Gerade Mikroplastik, Medikamentenrückstände oder bestimmte Chemikalien stellen Betreiber vor grosse Herausforderungen.

 

Nicht ins WC werfen: Feuchttücher und Hygieneartikel

Feuchttücher bzw. feuchtes Toilettenpapier sind eine grosse Belastung für das Abwassersystem und erhöhen den Reinigungsaufwand in Abwasserreinigungsanlagen. Viele Produkte werden zwar als «spülbar» vermarktet, verhalten sich jedoch völlig anders als normales Toilettenpapier. Während sich WC-Papier im Wasser rasch auflöst, bleiben Feuchttücher stabil und reissfest, wodurch sie Rohre verstopfen können.

Neben Feuchttüchern gehören auch zahlreiche andere Hygieneartikel nicht ins WC, da sie zu Rohrverstopfungen führen können und das Abwassersystem belasten. Viele dieser Produkte enthalten Kunststofffasern oder andere Materialien, die biologisch kaum oder gar nicht abgebaut werden.

Dazu zählen:

  • Tampons und Binden
  • Wattestäbchen
  • Abschminktücher
  • Windeln
  • Wattepads
  • Zahnseide

Diese Produkte sind nicht recyclingfähig und sollten daher ausschliesslich über den Hauskehricht entsorgt werden.

 

Nicht in den Küchenabfluss geben: Fette, Öle und Speisereste

Gerade in der Küche entstehen zahlreiche Abfälle. Flüssiges Speiseöl oder Bratfett mit dem Kochwasser in den Abfluss zu giessen, mag daher zunächst harmlos erscheinen. Beim Abkühlen verändern diese Öle jedoch ihre Konsistenz, verfestigen sich und setzen sich an Rohrwänden fest. Mit der Zeit entstehen dicke Ablagerungen, die den Rohrdurchmesser immer weiter verkleinern. In Kombination mit anderen Fremdstoffen bilden sich feste Verstopfungen. Im schlimmsten Fall verursachen diese sogenannten Fettberge hohe Reinigungskosten.

Besonders problematisch sind:

  • Frittieröl
  • Bratfett
  • Butterreste
  • Rahm- und Saucenreste
  • Mayonnaise
  • Kaffeesatz
  • Speisereste

Auch kleinere Mengen können langfristig Schäden verursachen, wenn sie regelmässig über den Abfluss entsorgt werden. Fetthaltige Essensreste gehören in den Bioabfall. Töpfe und Pfannen können mit Haushaltspapier ausgewischt werden, welches anschliessend über den Hauskehricht entsorgt wird.

Fette und Öle in grösseren Mengen sollten hingegen über kommunale Sammelstellen entsorgt werden.

 

Nicht ins Abwasser giessen: Chemikalien und Reinigungsmittel

Lösungsmittel, Farben und Lacke oder andere aggressive Chemikalien stellen eine hohe Belastung für das Abwassersystem dar und können sogar die Bausubstanz oder die Technik in den Abwasserreinigungsanlagen angreifen. Zu solchen Gefahrenstoffen gehören:

  • Laugen & Säuren
  • Farb- und Lackreste
  • Lösungsmittel & Verdünner
  • Holzschutzmittel
  • Pflanzenschutzmittel, Unkrautvernichter & Dünger
  • Benzin

Chemikalien sollten grundsätzlich über die örtlichen Schadstoffsammelstellen entsorgt werden.

Normales Putzwasser ohne problematische Schadstoffe sollte im Haushalt ausschliesslich über die dafür vorgesehenen Schmutzwasserleitungen entsorgt werden – beispielsweise über ein Ausgussbecken oder das WC. Nur so ist sichergestellt, dass das Wasser in die Abwasserreinigungsanlage gelangt und dort gereinigt wird.

Putzwasser darf niemals über Gullys oder Strassenschächte entsorgt werden, die ausschliesslich für Regenwasser vorgesehen sind. In vielen Gemeinden gelangen diese Abflüsse direkt in Bäche, Flüsse oder Seen. Schadstoffe können dadurch ungefiltert in die Umwelt gelangen und sensible Ökosysteme erheblich belasten.

 

Niemals ins Abwasser geben: Abgelaufene oder unverbrauchte Medikamente

Kleinere Rückstände von Medikamenten gelangen unweigerlich ins Abwasser. Das hat zwei wesentliche Gründe: Einerseits werden äusserlich aufgetragene Medikamente (z. B. Cremes und Salben) beim Duschen oder Baden abgespült, andererseits werden auch Präparate zum Einnehmen zu Teilen wieder ausgeschieden. Abwasserreinigungsanlagen sind daher grundsätzlich in der Lage, Spuren von Medikamenten im Abwasser zu entfernen.

Dennoch gilt:

  • Medikamente dürfen niemals im WC oder Lavabo entsorgt werden, um den Wasserkreislauf nicht unnötig zu belasten. Sie gelten als Sonderabfall.
  • Nicht benötigte Arzneimittel müssen deshalb ausschliesslich über Apotheken oder offizielle Sammelstellen entsorgt werden.

 

Falsche Entsorgung kann teuer werden

Fremdstoffe können sich über Monate oder Jahre in Rohren ablagern, bevor Probleme entstehen. Die Folgen reichen von langsam ablaufendem Wasser und schlechten Gerüchen bis zu verstopften Leitungen, Wasserschäden oder sogar Überschwemmungen. Oft sind dann aufwendige Sanierungen notwendig.

Besonders teuer wird es, wenn unsachgemäss entsorgte Fremdstoffe in Kanalisationen oder in der Abwassereinigung auftreten. Gemeinden investieren hohe Summen in die Kanalreinigung, Wartung von Abwasserreinigungsanlagen, Reparaturen oder Notfalleinsätze. Fremdkörper im Abwasser, die sich nicht auflösen bzw. zersetzen, werden oft in grossen Mengen im Klärwerk angespült und müssen unter hohem Aufwand entfernt werden. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten, die oft der Endverbraucher trägt.

Unsachgemässe Entsorgung belastet die Umwelt

Das Leitungswasser in der Schweiz ist von guter Qualität und kann bedenkenlos getrunken werden, da Schadstoffspuren deutlich unter den erlaubten Grenzwerten liegen. Dennoch können unsachgemäss entsorgte Abfälle im Wasser ein Risiko für die Umwelt, den Wasserkreislauf und somit auch den Menschen darstellen.

Das in der Abwasserreinigungsanlage behandelte Wasser kann trotz moderner Reinigungstechnologien weiterhin geringe Rückstände von Schadstoffen und Medikamenten enthalten. Diese können mit dem Ablauf der Abwassereinigung in Flüsse und Seen gelangen und dort langfristig Gewässer und empfindliche Ökosysteme belasten. Auch über Klärschlamm oder Bewässerungswasser können schädliche Rückstände in Böden und Umwelt gelangen. Bereits geringe Mengen können empfindliche Wasserorganismen beeinträchtigen. Antibiotikarückstände im Wasser stehen zudem im Verdacht, die Entwicklung resistenter Keime zu fördern.

Besonders problematisch ist ausserdem Mikroplastik, das sich kaum abbaut und sich dauerhaft im Wasserkreislauf sowie in Sedimenten anreichert. Auch falsch entsorgtes Putzwasser stellt ein Risiko dar: Gelangt es über Regenwasserabläufe in Bäche und Flüsse, werden enthaltene Reinigungsmittel und Schadstoffe oft ungefiltert in die Umwelt eingeleitet. Dadurch können sensible Gewässer belastet und natürliche Lebensräume nachhaltig beeinträchtigt werden. Da ein Teil des Schweizer Trinkwassers aus Grundwasser sowie aus mit Seen und Flüssen verbundenen Wasservorkommen stammt, trägt ein bewusster Umgang mit Abfällen und Schadstoffen unmittelbar zum Schutz der Trinkwasserqualität bei.

Skurrile Funde aus der Kanalisation

Fachbetriebe aus der Kanalreinigung und Abwasseraufbereitung entdecken mitunter aussergewöhnliche Fundstücke in der Kanalisation und den Klärbecken der Abwasserreinigungsanlagen. Viele dieser Beispiele wirken kurios, zeigen aber gleichzeitig, welche Belastung derartige Fremdstoffe für moderne Abwassersysteme darstellen.

Gefunden wurden unter anderem:

  • Schmuckstücke – besonders häufig Eheringe
  • Münzen
  • alte Tastenhandys
  • kleinere Spielzeuge
  • Brillen
  • Besteck
  • Zahnbürsten
  • Zahnprothesen
  • Kleidungsstücke – vom BH bis zur Jeanshose

Natürlich kann man davon ausgehen, dass einige dieser Dinge eher unfreiwillig im Abfluss landen. Gleichzeitig verdeutlicht das Auftauchen solcher Fremdkörper, dass das WC oder Lavabo niemals als Abfalleimer benutzt werden sollten. Denn feste Stoffe zersetzen sich im Wasser nicht, sie lagern sich in den Rohren ab oder müssen in der Abwasserreinigungsanlage mühsam herausgefischt werden. Feste Abfälle wie Katzenstreu, Haare oder Zigarettenstummel sollten daher niemals über den Abfluss entsorgt werden.

Fazit: Was können Haushalte konkret tun?

Viele Probleme in Kanalisationen entstehen durch Stoffe, die aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit falsch entsorgt werden. Dabei lassen sich zahlreiche Belastungen bereits mit einfachen Gewohnheiten vermeiden. Entsorgen Sie daher Feuchttücher, Hygieneartikel oder Speisereste stets im Hauskehricht, um Rohrverstopfungen zu vermeiden und den Reinigungsaufwand in Abwasserreinigungsanlagen zu reduzieren. Sonderabfälle wie Medikamente oder Chemikalien sollten Sie nur bei geeigneten Sammelstellen abgeben, um zu verhindern, dass problematische Stoffe in Flüsse, Seen und Grundwasser gelangen. Normales Putzwasser gehört wiederum ausschliesslich in die vorgesehenen Schmutzwasserleitungen im Haushalt – niemals in Regenwasserabläufe.

Wer bewusster mit Abwasser umgeht, schützt nicht nur die Rohre im eigenen Haushalt, sondern leistet auch einen direkten Beitrag zum Gewässerschutz in der Schweiz. Saubere Seen, rauschende Flüsse und hochwertiges Trinkwasser sind keine Selbstverständlichkeit – sie hängen auch davon ab, wie verantwortungsvoll wir zuhause mit Wasser und Abfällen umgehen.

Ednan Destovic <br> <span>Geschäftsführer & Kanalprofi<span>
Ednan Destovic
Geschäftsführer & Kanalprofi

Wenn es um Kanalreinigung, TV-Inspektion oder Sanierung geht, weiss Ednan Destovic genau, wovon er spricht. Seit über zehn Jahren ist er in der Branche unterwegs – angefangen als Sanitärinstallateur, heute als Experte mit tiefem Verständnis für alles, was unter der Oberfläche passiert.

Was ihn antreibt? Saubere Arbeit, nachhaltige Lösungen und ehrliche Beratung. Kein Fachchinesisch, keine halben Sachen – sondern Ergebnisse, die langfristig überzeugen. Gemeinsam mit seinem Team sorgt er dafür, dass Probleme nicht nur behoben, sondern wirklich gelöst werden.

Unsere Dienstleistungen
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